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Liebes Turmmännchen (II)

Zur Stadtpost Nr. 22, dem Turmmännchen vom 02.06.2021

Liebes Turmmännchen,

Immer, wenn ich mich in meinem schönen Garten an den Blumen und Pflanzen erfreue, kann ich Dich oben auf Deinem hohen Turm begrüßen. Und ich freue mich darauf von Dir gezeigt zu bekommen, woher der Wind weht.

Selbstverständlich hast Du, wie Deiner hohen Warte gebührt, Stellung bezogen zu einem FAZ-Artikel, den ein ehemaliger FAZ-Journalist über den Verein Lebenswerte Seligenstädter Altstadt LSA verfasst hat. Es ging um die Geschichte des 35-jährigen Vereins, der sich um Altstadtsanierung kümmert und dessen Mitglieder seit 1986 über 40 Häuser in der Altstadt saniert haben. Ein Unterfangen, das sicher auch Dein Wohlgefallen findet.

In dem besagten Artikel habe ich als Mitglied des LSA-Vorstandsteams dem Reporter bei einem Rundgang den Werdegang des Vereins und der damit eng verbundenen Altstadtsanierung aus unserer Sicht erzählt. Als ich ihm von der Situation der Stadt berichtete, die zum Entschluss der damaligen Stadtverordneten führte, eine umfassende Neuordnung im Gebiet der Altstadt zu beschließen, habe ich unbedacht von „slumartigen Zuständen in Randgebieten der Altstadt“ gesprochen, was zu erheblichen Missverständnissen führt. Einen Vergleich mit den Elendsgebieten asiatischer Großstädte hatte ich sicher nicht im Sinn, zumal Seligenstadt ja bekanntlich keine Großstadt ist und (hoffentlich nicht) wird. Zudem wurde vom Verfasser des Artikels eine Überschrift gewählt, die den Eindruck erweckt, ganz Seligenstadt sei ein Elendsviertel gewesen. Dies entspricht nicht meiner Aussage und auch nicht den Tatsachen. Trotzdem, der von mir gebrauchte Begriff „Slum“ hat Vereinsmitglieder und Altstadtbewohner empört und verletzt, was ich sehr bedauere! Es ärgert mich, dass dadurch die positiven Ergebnisse aller Sanierungen ins falsche Licht gerückt wurden.

Nun liebes Turmmännchen hast Du sicher mit großer Übersicht gesehen, dass Dein geliebtes Altstädtchen in den 60er Jahren erhebliche städtebauliche Missstände aufwies, die den damaligen Bürgermeister Brehm zu der Mitteilung an seine Mitbürger:innen veranlasste, dass „…einer zunehmenden Entvölkerung gerade des alten Kerns…“ entgegengewirkt werden müsse. Grund dafür waren lt. Mitteilung städtebauliche Missstände.

Die ins Auge gefasste Neuordnung des Altstadtgebietes sollte:

  • überalterte Bausubstanz mit ungenügender Wohnungsausstattung,
  • Überalterung der Wohnbevölkerung,
  • Funktionsverlust der Stadtmitte und Verkehrsprobleme

beseitigen.

Für die Randgebiete wie z.B. Mohrmühl-, Schafs-, Lämmer,- und Sackgasse
war sogar eine Flächensanierung mit totalem Abbruch und anschließender Erneuerung vorgesehen. Sicher ist Dir das nicht entgangen und bei allem was Seligenstadt von der Historie und der Lage am Rande des Spessarts auszeichnet, ist dies auch ein Teil der Stadtgeschichte, für die man sich ja nicht schämen muss.

Die Objektsanierungen, die von vielen Bürgerinnen und Bürgern, egal ob Einheimische oder Zugezogen mit hohem Aufwand durchgeführt wurden und noch immer werden, sind eine hervorragende Erfolgsgeschichte für Seligenstadt und darüber sollten wir uns nun wirklich nicht streiten, oder?

Grüße von unten

Dein LSA

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